- Seit 28. Februar 2026 Krieg zwischen USA/Israel und dem Iran; die Straße von Hormuz, Transitweg für rund ein Fünftel des Weltöls, ist seither weitgehend blockiert.
- Brent kostet mit rund 84 US-Dollar etwa 16 Prozent mehr als vor Kriegsbeginn; im März gab es zwischenzeitlich einen der steilsten Monatsanstiege der Geschichte.
- Österreichs Inflation lag im Juli bei 2,7 Prozent, aber nur dank Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel; Energie verteuerte sich um 5,7 Prozent.
- Die EZB hat im Juni erstmals wieder erhöht und hält seither; die erwartete Zinsentlastung für Kreditnehmer fällt vorerst aus, Fixzinsen liegen bei etwa 3,1 bis 3,7 Prozent.
- Wiens Kaufpreise steigen trotzdem moderat weiter (rund plus 3 Prozent im Jahresabstand), weil das Angebot knapp bleibt. Real, nach Inflation, stagnieren sie ungefähr.
Was am Golf passiert
Seit dem 28. Februar 2026 stehen die USA und Israel im Krieg mit dem Iran. Teheran hat die Straße von Hormuz, durch die rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls fließt, seit Kriegsbeginn weitgehend geschlossen; Washington spricht inzwischen von einer Seeblockade, die es „unbegrenzt" aufrechterhalten könne. Eine im Juni unterzeichnete Vereinbarung über ein Kriegsende hielt nicht: Im Juli flammten die Kämpfe wieder auf, seit Anfang August vermittelt Oman erneut. Der Ausgang ist offen, und genau diese Offenheit ist der ökonomische Kern der Sache.
Ein Fünftel des Öls, sechzehn Prozent Aufschlag
Ölmärkte bepreisen nicht nur Knappheit, sondern Unsicherheit. Brent notierte zuletzt um 84 US-Dollar je Fass, rund 16 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn; der März brachte zwischenzeitlich einen Anstieg von etwa 50 Prozent, einen der steilsten Monatsanstiege der Geschichte, bevor sich die Preise wieder beruhigten. Für Europa heißt das: Treibstoff, Heizöl und über die Strompreisbildung auch Energie insgesamt sind teurer, als sie es ohne den Krieg wären.
Warum 2,7 Prozent Inflation nur die halbe Wahrheit sind
Österreichs Schnellschätzung für Juli weist 2,7 Prozent Inflation aus, nach 3,2 Prozent im Juni. Das klingt nach Entspannung, verdeckt aber zwei gegenläufige Kräfte: Energie verteuerte sich um 5,7 Prozent im Jahresabstand, Treibstoffe und Heizöl zogen in der zweiten Julihälfte spürbar an. Dass die Gesamtrate trotzdem fiel, liegt vor allem an der Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 Prozent, die seit Juli wirkt. Der Kriegseffekt steckt also in der Rate, er wird nur von einem Steuereffekt überlagert, der im Juli 2027 wieder aus der Statistik fällt. Im Euroraum insgesamt stieg die Inflation im Juli auf 2,9 Prozent.
Der Ölpreis wohnt mit: über die Betriebskosten sofort, über die Kreditrate mit Verzögerung.
Die Zinsentlastung fällt aus
Bis zum Frühjahr galt als ausgemacht, dass die EZB weiter senkt. Der Energieschock hat diese Erwartung gedreht: Im Juni erhöhte der EZB-Rat die Leitzinsen um 25 Basispunkte, im Juli hielt er sie unverändert bei 2,25 Prozent für die Einlagefazilität und warnte ausdrücklich, die volle inflationäre Wirkung des Energieschocks habe sich „noch nicht entfaltet". Für Wohnkredite bedeutet das: Die im Winter erhoffte weitere Verbilligung ist abgesagt. Zehnjährige Fixzinsen beginnen aktuell bei etwa 3,15 Prozent, variable Kredite bei knapp 2,9 Prozent; Marktbeobachter erwarten für 2026 eine Seitwärtsbewegung im Korridor von rund 3,1 bis 3,7 Prozent.
Drei Kanäle nach Wien
Erstens die Finanzierung. Höhere Zinsen für länger begrenzen, was Haushalte mit Kredit zahlen können. Das dämpft die Nachfrage vor allem dort, wo knapp kalkuliert wird: bei Erstkäufer:innen und in den günstigeren Lagen außerhalb des Gürtels. Dieser Kanal drückt auf die Preise.
Zweitens der Sachwert. Anhaltende Inflation macht Immobilien als Absicherung attraktiver, und indexierte Mieten wachsen mit der Teuerung mit. In Österreich begrenzt das Mieten-Wertsicherungsgesetz die Weitergabe allerdings mit gesetzlichen Deckeln, der Schutz vor Inflation ist für Vermieter:innen also unvollständig. Dieser Kanal stützt die Preise, vor allem in liquiden, zentralen Lagen.
Drittens das Angebot. Teure Energie verteuert Baustoffe wie Ziegel, Zement und Stahl, und das trifft einen Neubau, der ohnehin auf historisch niedrigem Niveau liegt. Was heute nicht bewilligt und gebaut wird, fehlt 2028 als Angebot. Dieser Kanal wirkt langsam, aber er wirkt in dieselbe Richtung wie die Knappheit, die Wiens Markt schon jetzt prägt.
Ein vierter Kanal ist möglich, aber am wenigsten belegbar: Wien profitiert historisch als sicherer, neutraler Standort, wenn die Welt unruhiger wird, über Zuwanderung ebenso wie über Kapital, das Stabilität sucht. Wir führen diesen Effekt in unseren Szenarien als Möglichkeit, nicht als Gewissheit.
Was die Zahlen sagen
Trotz Zinsstopp steigen Wiens Preise moderat weiter: Der Wohnimmobilienpreisindex der OeNB erreichte im ersten Quartal 2026 mit 272,2 Punkten einen Höchststand, Wiener Kaufpreise liegen rund 3 Prozent über dem Vorjahr. Marktbeobachter erwarten für das Gesamtjahr Zuwächse von etwa 3,5 Prozent in zentralen Lagen und 2,3 bis 2,9 Prozent am Stadtrand und im Umland. Zieht man die Inflation ab, bleibt davon real wenig übrig: Der Markt hält sein Niveau, er läuft der Teuerung aber derzeit nicht davon. Genau dieses Bild zeigen auch unsere recherchierten Richtwerte im Preisatlas.
Zwei Wege, ein Rechenweg
Deeskalation: Kommt die von Oman vermittelte Vereinbarung zustande und öffnet Hormuz wieder, dürfte der Ölpreis Richtung Vorkriegsniveau fallen. Die Inflation ginge zurück, die EZB könnte die Senkungen wieder aufnehmen, Kredite würden billiger, und die aufgestaute Nachfrage träfe auf knappes Angebot. Für Preise wäre das der freundlichste Pfad.
Eskalation: Weitet sich der Krieg aus oder bleibt die Straße dauerhaft zu, sind neue Ölpreisspitzen wahrscheinlich. Dann drohen höhere Inflation bei schwächerer Konjunktur, Zinsen blieben länger oben, und die Finanzierung würde zum Engpass. Nominale Preise hielten sich wegen der Knappheit vermutlich besser als die Nachfrage, real wäre mit Rückgängen zu rechnen.
Beide Pfade sind Rechenwege, keine Vorhersagen. Wer sie auf die eigene Situation anwenden will: Der Zukunftsrechner gewichtet die geopolitische Lage automatisch in seine Szenarien ein, je Bezirk und Zeithorizont.
Quellen
- Britannica: 2026 Iran war, Überblick und Chronologie
- CNN, 4.8.2026: Hormuz-Gespräche unter Vermittlung Omans
- Al Jazeera, 13.8.2026: USA zur Seeblockade
- Al Jazeera, 10.8.2026: Brent bei 84 Dollar, 16 Prozent über Vorkriegsniveau
- Statistik-Austria-Schnellschätzung via Xinhua, 31.7.2026: Inflation 2,7 Prozent
- IndexBox: Energie plus 5,7 Prozent, Mehrwertsteuereffekt bei Lebensmitteln
- Eurostat-Flash, Juli 2026: Euroraum-Inflation 2,9 Prozent
- EZB, 11.6.2026: Zinserhöhung um 25 Basispunkte
- CNBC, 15.7.2026: EZB-Kurs unter dem Eindruck des Energieschocks
- Infina: Immobilienpreise und Kreditzinskorridor 2026
